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Quadragesima, Laetere und andere Namen der Fastenzeit

Quadragesima, Laetare und andere Namen der Fastenzeit

Eine vierzigtägige Vorbereitungszeit auf Ostern gibt es seit dem 4. Jahrhundert in der Kirche. Fasten und Bußübungen bilden den Inhalt dieser Zeit. Da Jesus selbst zu Beginn seines öffentlichen Auftretens 40 Tage und 40 Nächte gefastet hat, ist die Zeitstrecke Vorbild des christlichen Fastens geworden. Die Zahl 40 ist in der Bibel eine „Symbolzahl”. Sie bezeichnet sie eine Phase, in der sich Menschen auf ein besonderes Ereignis und auf eine Begegnung mit Gott vorbereiten:

40 Tage und Nächte regnete es während der Sintflut (Gen 7,12); 40 Tage und 40 Nächte bleibt Moses auf dem Berg Sinai, bis Gott ihm die Gebote für das Volk Israel verkündet (Ex 24,18); 40 Jahre wandern die Israeliten durch die Wüste (Ex 16,35);
40 Tage und 40 Nächte wandert der Prophet Elia zum Gottesberg Horeb, wo Gott zu ihm spricht. (1 Kön 19,8); 40 Tage und 40 Nächte fastet Jesus in der Wüste, um sich auf seine große Aufgabe vorzubereiten. (Lk 4,1).

Im aktuellen christlichen Festkalender geht die österliche Fastenzeit dem Osterfest voran, das durch das Konzil von Nicäa 325 auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond festgesetzt wurde. Ostern ist deshalb ein beweglicher Festtermin, der auf die Zeit zwischen den 21. März und den 18. April fallen kann. Der Termin der Fastenzeit ist deshalb auch „beweglich” und definiert sich im Verhältnis zu Ostern durch die Länge der Fastenzeit. Der Beginn der Fastenzeit liegt auf einem Mittwoch und das Ende der Fastnachtszeit auf dem Dienstag nach dem 6. Sonntag vor Ostern (Invocabit). Als die Synode von Benevent 1091 die Sonntage in der Fastenzeit als Gedächtnistage der Auferstehung Jesu vom Fasten ausnahm, rückte deshalb der Beginn der Fastenzeit um sechs (Wochen-) Tage vor. Die Fastnacht endet deshalb seitdem am Dienstag nach dem 7. Sonntag vor Ostern (Estomihi) und die Fastenzeit beginnt mit dem folgenden Mittwoch, dem Aschermittwoch. Jene, die ihre Fastnacht nach der alten Fastenordnung vor Benevent (1091) feiern, begehen die Alte Fastnacht (auch: Bauernfastnacht), die immer in die geltende Fastenzeit fällt. Zum Unterschied von der Alten Fastnacht wurde der der neuen Fastenordnung entsprechende neue Fastnachtstermin Herrenfastnacht genannt.

Die Fastenzeit galt als gebundene Zeit, denn an diese Zeit waren für die Christen Verpflichtungen gebunden: Die Pflicht zum Fasten, d.h. zum Verzicht auf Fleisch, Laktizinien und Eier, Mitfeier der Karwoche und der österlichen Gottesdienste, Teilnahme an der Osterbeichte. Alte Bezeichnungen für die österliche Fastenzeit sind: Quadragesima, Quadragena, Quarentana, Quadragesimum major, - ante pascha, tempus quadragesimale, Großes Fasten, Lange -, jejunium longum, - quadragesimale, - paschale, jejunia.

Der österliche Festkreis gliederte sich früher in drei Teile: die Vorfastenzeit und die Fastenzeit, die österliche Zeit und die Zeit nach Pfingsten. Die Vorfastenzeit umfasste die drei Sonntage Septuagesima, Sexagesima und Quinquagesima. Oft wurden die Sonntage der Vorfastenzeit auch nach den Anfangsworten des Introitus (= Eingangsgebet der Messe) benannt: Circumdederunt (für Septuagesima), Exsurge (für Sexagesima) und Esto mihi (für Quinquagesima). Die Sonntagsnamen bezeichnen nicht die genauen Abstände bis zum Osterfest, sondern deuten auf die abgerundet berechnete siebzigtägige, sechszigtägige und fünfzigtägige Vorbereitungszeit. Passend zum christlichen Verständnis der als civitas diaboli gedeuteten Fastnachtszeit erinnert der Sonntag Septuagesima an die 70 Jahre der Gefangenschaft der Juden in Babylon und ihrer Pilgerschaft von dort nach Jerusalem.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde die Vorfastenzeit abgeschafft. Die Fastenzeit oder die Quadragesima beginnt mit Aschermittwoch: Der erste Fastensonntag hieß Invocabit (Introitus: Invocabit me = Er ruft mich an), der zweite Reminiscere (Introitus: Reminiscere miserationum tuarum = Denk an deine Güte), der dritte Oculi (Introitus: Oculi mei semper ad Dominum = Meine Augen schauen immer auf zum Herrn). Der vierte Fastensonntag spielt eine Sonderrolle. Als Mittfasten leuchtet in ihm bereits Ostern auf. Auch sein Name ist dadurch geprägt: Laetare (Introitus: Laetare, Jerusalem = Freu’ dich, Jerusalem). Der fünfte Sonntag der Fastenzeit ist nicht mehr Teil der numerischen Reihung der Fastensonntage. Er heißt Erster Passionssonntag oder Judica (Introitus: Judica me, Deus = Schaff’ Recht mir, Gott). Die Lesungen dieses Tages stellten das Leiden (lat. passio: Leiden, Leidensgeschichte) Christi vor, den „Schmerzensmann” Jesus vor Augen. Altarkreuz und Altarbilder wurden mit dunklen, oft tiefvioletten Tüchern verhüllt, um an die Erniedrigung des Erlösers zu erinnern. Die Verhüllung der Altarkreuze blieb bis nach der Kreuzverehrung am Karfreitag, die Altarbilder blieben verhüllt bis zum Gloria in der Osternacht. Der Zweite Passionssonntag, die Eröffnung der Karwoche, ist unter dem Namen Palmsonntag bekannt. Nach vorausgehender Palmweihe memoriert eine feierliche Palmprozession den Einzug Jesu in Jerusalem vor seinem Leiden. Das Tagesevangelium trägt die Leidensgeschichte Christi bis zu seiner Beisetzung vor.

Am Aschermittwoch begann in der frühen Kirche die öffentliche (Kirchen-) Buße, an dem die Büßer ein Bußgewand anlegten und mit Asche bestreut wurden. Als die öffentliche Buße außer Gebrauch kam (10. Jh.), übertrug sich die Asche-Symbolik auf alle Gläubigen (Synode von Benevent 1091). Aschesegnungen im Christentum lassen sich deshalb bis mindestens zum 10. Jahrhundert zurückverfolgen. Das Aschenkreuz auf der Stirn der Gläubigen versinnbildlicht den Anbruch der Bußzeit und des Fastens. Bei der Austeilung spricht der Priester traditionell die Worte : „Bedenke, Mensch, dass Du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst” (vgl. Gen 3,19) und erinnert damit an Jesus Sirach 17,32, wo die Menschen als „nur Staub und Asche” definiert werden. Die Asche des Aschermittwochs wird seit dem 12. Jahrhundert aus Palmzweigen des Vorjahres gewonnen.

Asche als Symbol für die Vergänglichkeit und Bußgesinnung war im gesamten Orient zu Hause, natürlich auch in Israel. Ein „Reinigungswasser” wurde z. B. aus der Asche einer verbrannten, fehlerlosen roten Kuh, vermischt mit verbranntem Zedernholz, Ysop und Karmesin, gesammelt von einem kultisch reinen Mann, hergestellt (Num 19,9f.). Als „Asche-Sprüche” wurden in der Bibel wertlose Reden bezeichnet (Gen 18,27; Hiob 13,12), als „Asche hüten” die Götzenverehrung (Jes 44,20). Der Büßer sitzt „in Staub und Asche” (Hiob 30,19), streut sich „Asche auf sein Haupt” (2 Sam 13,19, 1 Makk 3,47) und kleidet sich in „Sack und Asche” (Est 4,1, Jes 58,5, Mt 11,21, Lk 10,13). Die neutestamentliche Formulierung, nach der in Sack und Asche Buße getan wird, fand Eingang nicht nur in deutsche Redensarten. Im Französischen heißt es: „Faire pénitence dans la sac et dans la cendre” (veraltet); im Englischen: „To repent in sackcloth and ashes”; im Niederländischen: „In zaken en as zitten”.

Übrigens wird die Symbolik der Asche heute noch in einem anderen Gottesdienst als zu Aschermittwoch verwendet, nämlich in der Messe zur Amtseinführung eines neuen Papstes. Vor den Augen des neugewählten Papstes verbrennt der ranghöchste Kardinal einen Wollfaden, um den Neugewählten auf die Vergänglichkeit und Nichtigkeit allen Scheins aufmerksam zu machen. Als Mahnung und Erinnerung an die eigene Relativität, als Hinweis auf die Notwendigkeit zu Buße und Umkehr angesichts des unausweichlichen Todes, den der im vermeintlich immerwährenden Jetzt lebende Mensch nur zu gerne verdrängt, ist die Symbolik der Asche ein nach wie vor lebendiges Symbol.

Seit dem 6. Jahrhundert bildete der Mittwoch vor dem 6. Sonntag vor Ostern („Invocabit”) den Auftakt zur österlichen Fastenzeit. Weil die Büßer in der Kirche an diesem Tag nach alter Tradition mit Asche bestreut wurden, erhielt dieser Tag den Namen Aschermittwoch. Seit dem 10. Jahrhundert lässt sich die Austeilung des Aschenkreuzes an diesem Tag nachweisen. Mancherorts hieß der Aschermittwoch auch Pfeffertag, weil Langschläfer mit grünen Ruten aus den Federn „gepfeffert” wurden. Andernorts gab es den Aschermittwochstreich: Kinder besuchten ihre Paten, gaben ihnen ein paar Streiche mit einer grünen Rute und erhielten dafür Brezeln. Statt eines grünen Reis konnten auch bändergeschmückte Tannenzweige (Sachsen), Birkenreise (Harz, Mecklenburg) benutzt werden. Im Raum von Hannover pfefferten die jungen Burschen und warfen Asche. Wacholder- und Fichtenzweige wurden in Norddeutschland benutzt, wo dieser Brauch Fuen hieß. Hier wurden die Langschläfer gepfeffert, bis sie sich mit Lebensmittelspenden freikauften. In Halberstadt wurde am Aschermittwoch die Gegensätzlichkeit vom „alten Adam” und „neuem Adam” augenfällig thematisiert: Ein armer Missetäter wurde als „Adam” aus der Kirche gejagt, musste während der Fastenzeit barfuß betteln und erhielt an den Kirchentüren Speise, bis er am Gründonnerstag beim Abendmahlsgottesdienst friedlich wieder aufgenommen und dann als gereinigt entlassen wurde: ein Reinigungssinnbild für die ganze Stadt. Der Fastenauftakt hat viele Namen: Erster Tag (Mittwoch) in der Fasten oder Macherdag (in der Vasten) (Rheinland), dies quadragesimale oder nach der Aschenweihe: Exaudi nos domine. Nach der klassischen Fastenspeise heißt der Tag auch Heringstag. Die meisten Namen nehmen Bezug auf die tagesspezifische Asche: Aschetag, assedach, aschrigmickt, aschewoensdach, ashwednesday, askeonsdag, als man aschen aufs haupt nimmt, cendres (Frkr.), cineres, dies cinerum, - cineris et cilicii, dies quadragesime, Erster Tag (Mittwoch) in der Fasten, Eschtag, Esztag, Eschige/escherige Mitwoch, Eschmittwoch, Eszmittwugen, Eistag, Eischtag, Exaudi nos domine (nach der Benedictio cineris), feria quarta cinerum, Heschiche Mittwoch, Ingende vasten, Initium jejunii, - quadragesime, Macherdag (in der vasten) (Rhld.), Mittwoch do man in die vasten geht, Öschriger Mittwoch, Quadragesima intrans, Schurtag.

Auf Vorschlag von Paul Claudel fand nach dem Zweiten Weltkrieg in Paris erstmals ein „Aschermittwoch der Künstler” statt, eine Idee, die Josef Kardinal Frings in Köln 1950 aufgriff. Seitdem treffen alljährlich Bischof und Künstler zu einer religiösen Standortbestimmung zusammen. Die Idee wurde national und international übernommen: Weltweit findet der Aschermittwoch der Künstler heute in über 100 Städten statt.

„Invocabit” ist das erste Wort des Introitus (Eingangsgebet der Messe: Invocabit me = Er ruft mich an) des Sonntags Invocabit (auch: Invocavit), des ersten Fastensonntags und des 6. Sonntags vor Ostern. Traditionell wird an diesem Tag in den Kirchen ein Fastenhirtenbrief des Diözesanbischofs verlesen. Der Tag wurde auch Weißer Sonntag (nicht zu verwechseln mit dem Weißen Sonntag nach Ostern, dem ersten Sonntag nach dem Osterfest!) genannt, denn in Rom zogen die österlichen Täuflinge an diesem Tag erstmals in weißen Taufkleidern in die Kirche. Umgangssprachlich hieß der Tag Funkensonntag (in Aachen: Fackelsonntag), weil Feuer angezündet und brennende Fackeln über die Felder getragen wurden als Fruchtbarkeitswecker. Frühlingsbräuche waren üblich: Abends wurde auf einem Hügel Feuer angezündet und glühende Holzscheiben ins Tal gerollt oder geworfen (Scheibenschlagen). Eine ähnliche Funktion hatte das Funkenschlagen: Eine mit Stroh oder anderen brennbaren Materialien umbundene Stange wurde angezündet und als riesige Fackel bis zum Erlöschen geschwenkt (auch: Fasnachtsfeuer, Fasnetfunken). In der Eifel hieß der Tag Hüttensonntag. Tags zuvor sammelten Jugendliche Stroh und Reisig, woraus sie auf einem Hügel eine Hütte bauten, die am Sonntag mit einem Strohmann, dem „Winter” gekrönt wurde. Abends wurden Hütte und Strohmann abgefackelt. Das Feuerbrauchtum war mancherorts mit einem Saatgang verbunden, einem Fackelgang durch die Felder zum Saatwecken, was mit Fackelschwingen und Fackelwettrennen endete. Vor der Synode von Benevent (1091) endete die Fastnacht mit dem Dienstag nach dem 6. Sonntag vor Ostern (Invocabit). Die Erinnerung daran, daß Inovocabit einst der Fastnachtssonntag war, hat sich in vielen alten Namen erhalten: Alte Fasnacht, carnisprivium magnum, carnisprivium vetus, aller manne faschangtag, Fastnacht, Vasting, Molken vastelabend, Mannfassnacht, manne, Fastelabend, Große Fastnacht, Mannfasten, Scheffastnaicht, Scheuffefastnacht. Andere Bezeichnungen für Invocabit sind: dominica in capite jejunii, dominca bordarum, dimanche behourdi (brandonnes, de bures), Erbessonntag, Erster Sonntag in der Fasten, Hutzelsonntag, Kässonntag, Schoofsonntag, Scheibensonntag, Quadragesima, Großer Sonntag.

„Oculi” lautet das erste Wort des Introitus (Eingangsgebet der Messe): Oculi mei semper ad Dominum = Meine Augen schauen immer auf zum Herrn) am Sonntag Oculi, dem dritten Fastensonntag. Dieser Tag wird auch benannt: Sexagesima media, medium sexagesime.

„Laetare” ist das erste Wort des Introitus (Eingangsgebet der Messe: Laetare, Dominus = Freu’ Dich Jerusalem) am vierten Fastensonntag, auch Mittfasten genannt. Weil dieser Sonntag inmitten der Fastenzeit lag, also die Mitte der Zeitstrecke anzeigte, war er vom Fasten auch zu der Zeit ausgenommen, als auch die Sonntage noch Bestandteile der österlichen Fastenzeit waren. Das priesterliche Messgewand zeigte an diesem Tag ausnahmsweise die liturgische Farbe „rosa”. In England hieß der Tag auch Mothering Sunday und ist ein Vorläufer des heute säkularen Muttertages. Der Kampf zwischen Sommer und Winter zu Laetare im Brauchtum hat liturgische Wurzeln: Introitus und Lesung des Tages thematisierten den Gegensatz von Trauer und Freude. Wo Frühlingsbräuche noch an diesem Tage üblich waren (Saatwecken, Todaustreiben, Winteraustreiben, Winterverbrennen, Schwarzer Mann usw.) hieß dieser Tag auch Schwarzer Sonntag. Sommer(sonn)tag ist ein weiterer Name, weil - im Rahmen der Frühlingsbräuche - der Sommer angesungen wurde. Halbfasten oder Mitfasten bezeichnet die Position des Tages im Zeitraum der Quadragesima. Das Frühlingsfeuer im Schwarzwald wurde am Fackeltag abgebrannt, manchmal wohl auch erst nach Rückkehr von Kuckuck, Nachtigall und Schwalbe, weshalb das Feuer auch Kuckucksfeuer hieß. Wahrscheinlich wegen ihres Eifers beim Brauchtum des Tages nannte man Laetare auch Knäbelessonntag. Die Tagesbezeichnung Jungfernfastnacht bezeichnet die Sitte, Mädchen und Mägde an diesem Tag zu beschenken. Hutzelsonntag nimmt Bezug auf den Brauch, an diesem Sonntag ein Gericht aus getrockneten Birnen (= Hutzeln) zu kochen. Der Name Brot- und Käsesonntag war in den Niederlanden üblich. Dort besuchte man an diesem Tag Freunde und Nachbarn und ließ sich mit Brot und Käse bewirten, weil man glaubte, an diesem Tag siebenerlei Brot essen zu müssen. In Westfalen brachten die Mädchen den Nachbarn den Frühling. Sie flochten aus Efeu einen Funkenkranz, der über der Herdstelle aufgehangen wurde. Die Beschenkten mussten die Mädchen mit Wasser bespritzen, möglicherweise ein alter Fruchtbarkeitszauber. In der Schweiz stellten Verliebte und Jungverheiratete Lichter ins Fenster. Bunt Verkleidete brachten ihnen ein Ständchen und wurden durch einen Imbiss belohnt. In Belgien bricht zu Halbfasten, wie Laetare dort heißt, noch einmal die Fastnacht aus. Noch andere Namen für Laetare sind: Medium quadragesime, mi carême, mi gramme, mey quaireme, mediana (dominica), dominica Hierusalem, Sonntag Jerusalem, Todsonntag (Schlesien), jejunium medium, dominica rose (rosata), dominica de fontanis, dominica mediana.

Im Mittelalter überreichte der Papst am Sonntag Laetare, der deshalb auch Rosentag oder Rosensonntag hieß, eine goldene Rose. Nachgewiesen ist dies erstmals für 1049 unter Papst Leo IX. (1049 - 1054). Mit der goldenen Rose in der Hand trat der Papst vor die Gläubigen und wies damit auf die Passion Christi hin (Christus wurde bildhaft als Rose gedeutet, vgl. das Lied „Es ist ein Ros’ entsprungen...”). Der Brauch wurde bin das 19. Jahrhundert hinein ausgeübt und scheint sich später nicht nur auf Rom beschränkt zu haben. Die goldene Rose steht für Christus in doppeltem Sinn: Das Gold der Rose symbolisiert die Auferstehung, die Dornen die Passion. Die Rose zu Laetare diente dazu, wie Kardinal Petrus de Mora, Bischof von Capua, erklärte, den Gläubigen zur Minderung der Trauer über das Leiden Christi den Ruhm des Herrn bei der kommenden Auferstehung anzuzeigen. Die „goldene Rose” war ein Rosenstrauß aus sechs Rosenzweigen mit sechs Blüten, getrieben aus vergoldetem Silber. Die sechs Blüten waren mit Moschus und Balsam gefüllt. Nach Papst Innocenz III. (1198 - 1216) sei die Verbindung, die Gold, Moschus und Balsam eingehen, ein Bild dafür, wie die Seele den Körper mit Gott verbinde. Seit dem 11. Jahrhundert schenkte der Papst die Rose Mitgliedern der Kurie, später verdienten Fürsten. Drei mittelalterliche „goldene Rosen” haben sich erhalten: eine im Pariser Musée Cluny (Anfang 14. Jh., ehemals Baseler Münsterschatz), eine in Andechs (1454) und eine in Siena (1485).

„Judica” heißt das erste Wort des Introitus (Eingangsgebet der Messe: Judica me, Deus = Schaff’ Recht mir, Gott) am 5. Fastensonntag, dem Ersten Passionssonntag. In Großbritannien steht der Tag in Verbindung mit Speiseopfern für die Vegetationsgottheiten. In Yorkshire wurde eine Grütze aus Birnen und Erbsen zubereitet, Carlings groats, die dem Tag den Namen Carlings-Sonntag gaben. Ähnlich auf den kleinen westlichen Inseln. Hier opferte man den Windgeistern Whirling cakes, Wirbelkuchen, kleine Windbeutel. Der Tag hieß hier Whirling-Sunday. Die Erbsen als Symbol für die erhoffte Vielfalt und den Reichtum spielten auch in Wales eine Rolle. Man aß sie mit dem Wasser einer Bergquelle oder bereitete aus ihnen - vorher eingeweicht in Apfelwein, Wein oder Wasser - eine Suppe. In Nordostengland briet man Erbsen und Bohnen in Butter und würzte mit Essig und Pfeffer. Von da hat der Tag auch den Namen Erbsensonntag. Andere Namen für Judica sind: Dominica de passione, - in passione, - passionis (domine), - prima passionis, - magna, - repositionis (Frkr.), Swarzer suntag, Schwarzer Sonntag, roter Sonntag, Passionstag, Namensloser Sonntag. Die Woche nach Judica wird bezeichnet als hebdomada passionis, - de passione, Woche vor Palmsonntag.

Der 6. Fastensonntag oder Zweite Passionssonntag mit dem lateinischen Namen Palmarum heißt umgangssprachlich Palmsonntag oder einfach Palm. An diesem Sonntag wird im Gottesdienst des Einzugs Jesu in Jerusalem gedacht und deshalb Palm geweiht und eine Palmprozession durchgeführt. Das liturgische Geschehen dieses Tages hat zahlreiche Namen hervorgebracht: als man die palmen wihet, benedictio palmarum, Blumostertag, Blumostern, Capitilavium, dies florum et ramorum, - hosanna, - olivarum, - osanna, - palmarum, - ramorum, - ramis palmorum, dimanche avant que dieu fut vendu, domine ne longe facias, - in der vasten, dominica viridis, - capitilavii, - indulgentie, - in palmis, - in ramis palmarum, festum olivarum, - palmarum, lutke paschedach, Osanna filio David, Osterbluemtag, Palbentag, Palentag, Palme, Palmen, Palmtag (balmtag), Palmensonntag, Palmostern, Palmostertag, Palmpaesken, pâques fleuries, pascha competentium, - floridum, - florum, - petitum, Pelmetag, Plumostertag, Pluemtag, Ramalia, rami palmarum, Sonntag ramis palmarum, Tauber Sonntag.

Unsere Vorfahren merkten sich die lateinischen Sonntagsbezeichnungen mit einem alten Jägerspruch, der sich auf die Schnepfenjagd bezog, die an Oculi begann:

Oculi - da kommen sie.
Laetare - das sind die wahre.
Judica – sie sind noch da.
Palmarum – tralarum.

Der Jägerspruch endet mit dem Sonntag nach Ostern:

Quasimodogeniti - halt, Jäger, halt, jetzt brüten sie.

Nachfolgend eine Übersicht zu den Tagesbezeichnungen der Fastenzeit:

Sonntagsname

Bezeichnung nach dem Introitus

Introitustext

Vorfastenzeit

Septuagesima

Circumdederunt

Circumdederunt me gemitus mortis = Todesstöhnen hielt mich umfangen

Sexagesima

Exsurge

Exsurge = Wach auf

Quinquagesima

Esto mihi

Esto mihi in Deum protectorem = Sei Du mein Schützergott

Fastenzeit/Quadragesima

1. Fastensonntag
Quadragesima

Invocabit

Invocabit me = Er ruft mich an

2. Fastensonntag

Reminiscere

Reminiscere miserationum tuarum = Denk an Deine Güte

3. Fastensonntag

Oculi

Oculi mei semper ad Dominum = Meine Augen schauen immer auf zum Herrn

4. Fastensonntag
Mittfasten, Halbfasten

Laetare

Laetare, Jerusalem = Freu Dich, Jerusalem

1. Passionssonntag

Judica

Judica me, Deus = Schaff Recht mir, Gott

2. Passionssonntag,
Palmsonntag

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© Prof. Dr. theol. Manfred Becker-Huberti, Köln
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