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Lichtmess-Darstellung des Herrn

Heil und Heilung - Blasius als Vorbild und als Fürbitter

„Bewahre uns vor Krankheit und Schaden in diesem zeitlichen Leben und hilf uns in aller Not, damit wir das ewige Heil erlangen” betet der Priester in der Messe am 3. Februar. Das Tagesgebet erklärt den Sinn des Tages deutlich und der Text lässt keine Missverständnisse aufkommen: Ein Heiliger ist kein Magier und als Lebensziel des Menschen ist das Heil wichtiger als die Heilung. Des heiligen Blasius wird an diesem Tag gedacht, ein Heiliger, der im Gedächtnis der Katholiken untrennbar mit dem „Halssegen” verbunden.

Blasius war Bischof in seiner Heimatstadt Sebaste in Armenien zur Zeit des Kaisers Licinius (308 - 324?). Bei einer Christenverfolgung soll er um 316 als Glaubensmärtyrer gestorben sein. Seine Leidensgeschichte ist uns in mehreren Versionen in stark legendarischer Form überliefert. Während der Verfolgung soll sich Blasius in einer Höhle versteckt haben. Hier ließen sich die Tiere des Waldes von ihm segnen und heilen. Als er von Jägern des Stadtpräfekten Agrikolaos entdeckt und ins Gefängnis gebracht wurde, bewahrte er im Gefängnis bzw. auf dem Weg dorthin einen Jungen vor dem Ersticken an einer Fischgräte. Mensch und Tier versprach er Rettung in der Not, wenn sein Name angerufen werde. Eine arme Frau, deren Schwein von einem Wolf geraubt worden war und der seinen Raub auf Befehl des Heiligen unversehrt zurückgab, brachte ihm Kopf und Füße des Schweins mit Früchten und einer Kerze in Gefängnis. Blasius segnete die Kerze und bestimmte sie zu seinem Symbol. Nach der Legende wurde er mit sieben Frauen und zwei Söhnen der Frauen ausgepeitscht, mit eisernen Kämmen gemartert, in einen Teich geworfen und schließlich enthauptet.

Heute wird das Gedächtnis des heiligen Blasius am 3. Februar gefeiert, bis in das 11. Jahrhundert jedoch am 15., im Osten am 11. Februar. Im 6. Jahrhundert lässt sich seine Anrufung als Patron des Viehs im Osten und im 9. Jahrhundert im Westen als Fürsprecher der Ärzte und Wollweber nachweisen. In Deutschland kam er auch zu Ehren bei den Windmüllern, Nachtwächtern und Blasmusikanten, denn volksetymologisch wurden Blasius mit dem „Blasen” des Windes in Verbindung gebracht. Ab dem 14. Jahrhundert rechnete man den Heiligen den vierzehn Nothelfern (Vierzehnheilige) zu und wandte sich an ihn bei Halsleiden und Gefahr durch wilde Tiere und Sturm. Im Osten wird er als greiser Bischof mit Spitzbart, gelocktem Haar und Buch dargestellt. In den kappadokischen Höhlenkirchen erscheint er unter den Kirchenvätern. Der Westen stellt ihn als westlichen Bischof dar, also mit Stab und Mitra, mit einer, zwei gekreuzten oder drei verflochtenen Kerzen. Ikonographische Beigaben sind Hechel, Schweinskopf, Knade oder Horn. In Deutschland ist der Heilige auch durch die vor 1000 gegründete ehemalige Benediktiner-Abtei St. Blasien bekannt, die aufgrund von Reliqien zu ichhrem Patrozinium gekommen ist und auch dem Ort den Namen gegeben hat. Bildliche Darstellungen des Heiligen finden sich in der Unterkirche von St. Clemente in Rom (um 1000) und im Braunschweiger Dom (13. Jh.).

In der Volksfrömmigkeit ist Blasius durch den Blasiussegen verankert, der an seinem Festtag im Gottesdienst bzw. nach den Messen am Fest Darstellung des Herrn (früher: Mariä Lichtmess) am 2. Februar erteilt wird. Mit zwei gesegneten und in Form des Andreaskeuzes gekreuzten Kerzen, die der Priester vor Gesicht und Hals der zu Segnenden hält, spricht er: „Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich derHerr vor Halskrankheit und allem Bösen. Es segne dich Gott, der Vater und dder Sohn und der Heilige Geist. Amen.” Die Benediktion gegen Halskrankheit und die Verwendung von Kerzen hat ihren Ursprung in den Legenden. Segnungen am Blasiustag (u.a. Wasser, Brot, Wein, Früchte) sind wie der heute noch übliche Blasiussegen im 16. Jahrhundert entstanden. Ein erstes Segensgebet ist für das 7. Jahrhundert überliefert. Das deutschsprachige Benediktionale von 1978 bindet den Blasiussegen in die Messe oder einen Wortgottesdienst ein, um ein magisches Missverständnis zu unterbinden. Der Empfänger soll sich in die Heilszusage Gottes und in seine Fürsorglichkeit eingebunden erfahren. Das frühere Brauchtum zum Tagesheiligen ist untergegangen und lokal nur noch vereinzelt vorhanden.

© Prof. Dr. theol. Manfred Becker-Huberti, Köln